Thomas Hümmler: Hallo aus dem Münchner Osten

Seit dem 1. März 2007 ist Ebers­berg­er-Nachricht­en.de als eine der ersten deutschen On­line-Lokalzeitun­gen im Netz. Die Berichterstattung konzentriert sich auf den Landkreis Ebersberg östlich von München (ca. 125.000 Einwohner, 52.000 Haushalte, > 70 Prozent Onliner), gemischt mit überregionalen Meldungen (angrenzende Landkreise, München, Oberbayern, Bund) sowie Service- und Hintergrundthemen.

Konkurrenz

Print: Vor Ort gibt es zwei Tageszeitungen: Die „Ebersberger Zeitung“ (Münchner Merkur) und die „Ebersberger SZ“. Seit dem Jahr 2000 verfolge ich deren Auflagenzahlen. Beide hatten einen Peak im Q1/2002 und sind seither ständig gesunken – die EZ um derzeit 7 Prozent (Q4/2010 Mo-Sa: 11898), die SZ um fast 20 Prozent (Q4/2010 Mo-Sa: 7.276). Der hohe Auflagenverlust der SZ hat seine Ursachen gewiss auch in der Neuorientierung im letzten Jahr, wo München- und Umlandressorts verschmolzen wurden. In Ebersberg gibt es seither nun nur noch eine um die presserechtliche Verantwortung beschnittene Außenredaktion (laut meinen Informationen wurden insgesamt 90 Red.-Mitarbeiter der SZ in den letzten beiden Jahren „abgebaut“).

Anzeigenblätter: Auch hier sind Münchner Merkur und SZ die dicken Fische im Teich. Der Merkur ist mit der Hallo-Gruppe verbandelt, die zwei Blätter im Landkreis herausgibt; die SZ macht die Prospektverteilung mit dem „Ebersberger Samstagsblatt“. Hier werden wöchentlich fast alle Haushalte bedient. Die Hallo-Gruppe hat inzwischen auch ab und an redaktionell recherchierte und bearbeitete Beiträge.

Web: Der Merkur ist seit etwa zwei Jahren im  Web aktiv. Die Redaktion kippt alles rein (Motto: Präsenz mit Masse). Die SZ findet lokal fast nicht statt – außer zu Wahlkampfzeiten. Die Hallo-Gruppe zeigt Präsenz, indem sie Komplett-PDFs (!) der Ausgaben ins Netz packt.

Journalistische Ziele

Die decken sich u.a. mit Hardy Prothmanns Zielen, die er für seine Blogs beschreibt: das Tagesgeschehen in den 14 Gemeinden abbilden gepaart mit „Terminjournalismus“, Polizeiberichterstattung und Vereinsmeldungen. Letztere liefern dieselben Autoren (zumeist Vereinspressewarte) wie auch bei den Tageszeitungen und Anzeigenblättern mit dem Unterschied: Es steht nicht „redaktion“ drunter, sondern der Name. Eigene recherchierte Artikel oder Bildstrecken erscheinen zu wichtigen lokalen und anderen Themen, wie etwa Bundesstraßenneubau oder Besuch und Rede von „Bild“-Chef Kai Diekmann beim CSU-Martinsgansessen (Die Lücken von Kai). Des Weiteren setze ich auf Meinungsbeiträge, die unter Nennung von Namen und Funktion des Kommentators/Schreibers erscheinen.

Redaktionelle Technik und Erscheinungsweise

Der redaktionelle Aufbau ist wie folgt: montags bis freitags erscheinen Beiträge auf der 3-spaltigen Titelseite und in den jeweils zugeordneten Rubriken (2-spaltig). Von der Titelseite verschwinden Beiträge nach sieben Tagen, in den Rubriken zu unterschiedlichen Zeiten (in den Gemeinderubriken nach vier Wochen, in der Kulturrubrik später). Anschließend wandern die Beiträge ins Archiv. Wegen Umstellung des Serversystems auf UTF-8 ist das Archiv noch nicht vollständig. Das wird bei Bedarf (zumeist ein Artikelverweis in neuen Beiträgen) nach und nach aufgeholt. Andere Seiten wie FAQs und AGB sind 1-spaltig.

Jeden Dienstag (außer in den Schulferien) erscheint ein Newsletter. Seit Herbst 2010 gibt es auch RSS-Feed und Twitter– sowie Facebook-Seite.

Die gesamte Site  ist in Typo3 entwickelt (ich biete die Technik übrigens auch zum Kauf an). Die Grundzüge des auf YAML basierenden browserfesten Layouts sind von El País entlehnt, das meiner Meinung nach die zumeist mickrigen Layouts deutscher Zeitungen und Magazine um Klassen schlägt (Gruß an die deutschen Verlags-„Profis“: 1.024er Bildschirmbreite gilt seit Jahren als technischer Minimalstandard).

Finanzierung

Ziel ist es, mit lokaler Werbung ein größeres Angebot zu schaffen. Dazu verdiene ich Geld mit Beiträgen in Fachzeitschriften, Beratungen und Seminaren. Hardy Prothmanns Aussage: „Es ist nicht ganz einfach, Werbetreibende, die bislang an Print gewöhnt sind, von online zu überzeugen“ kann ich unterschreiben. Das gilt vor allem im Lokalen, wo keine Mediaagenturen dazwischen geschaltet sind. Nach einem Fehlversuch mit einen Verkäufer habe ich nun einen Mann aus dem Medienmarketing gefunden, der zudem die örtlichen Gegebenheiten sehr gut kennt – ideale Voraussetzungen. So kann ich mich um Inhalte und Umsetzung von Kundenwünschen kümmern. Dieses Jahr wollen wir das Geschäft ankurbeln – allerdings bedächtig und mit keinen Versprechen, die wir nicht halten können.

Dabei gilt immer: strikte Trennung von Redaktion und Werbung. Das mache ich darüber hinaus deutlich, dass ich mich mit Ebersberger-Nachrichten.de von Anfang an zum Pressekodex bekannt habe – eine Grundvoraussetzung für seriösen Journalismus jeder Coleur.

Meine Vorgeschichte

Ich habe in Bielefeld Hispanistik, DaF und Pädagogik studiert, bin über einen kurzen Aufenthalt in der Erwachsenenbildung in meinem Traumberuf Journalismus gelandet. Von 1991-95 Redakteur bei der Computerzeitschrift CHIP, 1996-98 Chefredakteur des Microsoft Office Journal und Verlagsleiter Publikumszeitschriften bei redmond´s technology publishing, seit 1999 freier Autor, Textchef, Schlussredakteur, Pressefotograf, Webentwickler, Dozent (zahlreiche Sonderhefte zu Themen wie Linux, Windows, Internet, …).

Warum das alles?

Vor sechs bis sieben Jahren begann ich mich aufgrund der Marktlage bei den Zeitschriftenverlagen neu zu orientieren und meine Kompetenzen zu bündeln. Für mich war damals klar: Im Web und im Lokalen liegt die Zukunft. Das wurde und wird von den großen Verlagen vernächlässigt. Ich glaube, dass hier aber genügend spannende Geschichten zu finden sind. Und die lohnt es, festzuhalten und kritisch zu begleiten.

Letztes Jahr hatte ich eine neue Idee, konnte mich aufgrund anderer Dinge aber nicht darum kümmern. Das ist nun überflüssig: Denn mit istlokal.de könnte das entstehen, was mir vorschwebte – und vielleicht mehr.

Ich freue mich, dabei zu sein.