Jörg Levermann: Die Eichwalder Nachrichten – im Süden Berlins

Von Jörg Levermann

Seit 1. August 2010 gibt es sie, die Eichwalder Nachrichten, ein lokales Online-Magazin, das über das aktuelle Geschehen in Eichwalde und den Nachbarkommunen berichtet. Das Magazin entwickelt sich vielversprechend und gewinnt stetig neue Leser und Anzeigenkunden. Die ersten Kunden haben bereits im September in den Eichwalder Nachrichten geworben.

Streit um den Flughafen Schönefeld

Thematisch berichten die Eichwalder Nachrichten aus den Bereichen Kultur, Lokalpolitik, Wirtschaft, Freizeit & Erholung. Ein heißes Thema ist derzeit die Diskussion um die von der Deutschen Flugsicherung vorgeschlagenen Flugrouten am neuen Flughafen Schönefeld, dem Berlin-Brandenburg International (BBI). Seit etwa 15 Jahren kämpft der Bürgerverein Brandenburg-Berlin (BVBB) gegen den BBI am Standort Schönefeld und fordert nun einen Baustopp.

Eichwalder Nachrichten

Neu gegründete Initiativen haben sich zum Bündnis Berlin-Brandenburg gegen neue Flugrouten zusammen geschlossen. Beide, der BVBB und das Bündnis der Flugroutengegner verhalten sich (frei nach Monty Python) zu einander wie die Judäische Volksfront und die Volksfront von Judäa. Weitere Blogs in der Region sind das klaerwerk-blog aus Blankenfelde, der Schulzendorfer und das Blog von Frank Welskop. Thematisch nimmt die BBI-Problematik bei Welskop den größten Raum ein, aber auch das klaerwerk-blog beschäftigt sich intensiv damit.

Die Eichwalder Nachrichten unterscheiden sich ganz deutlich davon. Die Proteste gegen den BBI spielen sicher auch eine wichtige Rolle in der Berichterstattung, haben aber nicht den höchsten Stellenwert. Wichtiger ist eher die Berichterstattung direkt aus Eichwalde und den Nachbargemeinden.

Schwierige Akquise

Es ist schwierig das Magazin redaktionell zu betreuen und gleichzeitig neue Anzeigenkunden zu werben. Mittelfristig suche ich jemanden, der die Akquise neuer Werbekunden für mich übernimmt. Ziel ist es, mit steigenden Anzeigeneinnahmen freie Journalisten bezahlen zu können, die aus den Nachbarkommunen exklusiv für die Eichwalder Nachrichten berichten.

Kürzlich habe ich für drei Wochen eine Schülerpraktikantin (9. Klasse) betreut. Fiona hat sich gut eingearbeitet. Die Betreuung nimmt doch mehr Zeit in Anspruch, als ich dachte. Ich habe ihr viele Freiheiten gelassen und sie immer wieder ermuntert, sich selbst Themen zu suchen. Ihre Reportage, die sie als kleines Highlight gemacht hat, ließt sich zwar wie ein Werbetext und es fehlt etwas die kritische Distanz. Aber das finde ich gar nicht so schlimm. Gut wäre es, über diesen Weg Schüler und junge Erwachsene zu finden, die als freie Mitarbeiter eine Jugendredaktion innerhalb der Eichwalder Nachrichten stemmen. Denn ich habe den Eindruck, dass ich die junge Leserschaft bisher mit meinen Themen nicht hinter dem Ofen hervor locken kann.

Gelebte Wiedervereinigung

Die Gemeinde am Südostrand Berlins mit rund 6.000 Einwohnern ist umrahmt von den Nachbargemeinden Schulzendorf (ca. 7.600) und Zeuthen (etwa 10.300 Einwohner). Eichwalde grenzt im Norden an den Berliner Bezirk Treptow-Köpenick. Dominiert wird die Medienlandschaft vor Ort von der Märkischen Allgemeinen, deren Inhalte auch online abrufbar sind. Daneben gibt es drei wöchentlich erscheinende Anzeigenblätter. Da die Print-Blätter geografisch einen sehr großen Raum abdecken müssen, quasi den gesamten Landkreis, ist der Platz für die redaktionelle Berichterstattung stark begrenzt. Hier liegt ganz klar der Vorteil der Eichwalder Nachrichten, die sich voll und ganz aufs Lokale konzentrieren.

Durch die Nähe zur Hauptstadt ist die Einwohnerstruktur von Eichwalde geprägt von Menschen, die in Berlin arbeiten, aber die Ruhe im Berliner Umland genießen. Gleichwohl sind sie am politischen und kulturellen Geschehen in Eichwalde sowie in den Nachbarorten interessiert. Das vielfältige Kulturprogramm in der Eichwalder Alten Feuerwache ist ganz sicher ein Pluspunkt für das Leben in einer solch kleinen Gemeinde am Rande der Hauptstadt.

Nach der Wiedervereinigung soll sich mehr als die Hälfte der Einwohnerschaft ausgetauscht haben. Viele Neu-Eichwalder sind mit ihren Familien in den Ort gezogen, ursprüngliche Eichwalder sind fort gezogen, sei es aus beruflichen oder anderen Gründen. Das ist der Grund, dass hier die Bevölkerung eben gut durchmischt aus alteingesessenen und Neu-Eichwaldern besteht. Es gibt Bürger, die behaupten, dass in Eichwalde die Wiedervereinigung so intensiv wie an kaum einem anderen Ort im Berliner Umland gelebt werde.

Nach gut einem halben Jahr haben sich die Eichwalde Nachrichten bei der Google-Abfrage mit dem Stichwort „Eichwalde“ von der achten Seite der Trefferliste auf die erste Seite vorgearbeitet und residiert nun an fünfter Stelle. Das erfüllt mit gewissem Stolz. Auch die Zugriffzahlen sind inzwischen auf mehr als 4.500 Besuche mit rund 8.350 Seitenabrufen gewachsen.

Spaß und Spannung

Heikel ist derzeit die Struktur der Anzeigentarife. Mir war es wichtig so schnell wie möglich Umsätze zu generieren und vor allem Werbekunden aus dem Ort zu gewinnen. Daher habe ich die Tarife zunächst sehr günstig gewählt. Je nach Position kostet das Werbebanner (160 x ca.250 px) 50 oder 80 Euro im Monat (30 Tage Abrechnungszeitraum). Den Kunden biete ich Preisnachlässe bei mehrmonatiger Anzeigenschaltung an. Auf Dauer sind allerdings die damit generierten Umsätze zu gering. Ich bin aber optimistisch, mit steigenden Zugriffszahlen auch höhere Anzeigentarife erzielen zu können. Es bleibt also spannend, wie sich das Projekt weiter entwickelt. Am 1. August 2011 werde ich ein Resumé ziehen und dann entscheiden wie es weiter geht. Aber was das wichtigste an dem Projekt ist: Mir macht der Job spaß!

Meine ersten journalistischen Gehversuche habe ich bei eine Lokalzeitung in Halver im Sauerland unternommen. Für ein lausiges Zeilen- und Fotohonorar habe ich häufig auch Berichte und Reportage für die Verlagssonderbeilage gemacht. Später nach meinem Biologie-Studium arbeitete ich in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit eines Biotechnologie-Unternehmens, wechselte aber bald nach Berlin in einen Fachverlag, der unter anderem Biotechnologie-Fachzeitschriften und Bücher herausgibt. Seit 2003 bin ich selbstständig und seit August wieder verstärkt als freier Journalist unterwegs.