Karl-Josef Schäfer – Weilburg und seine Nachrichten

Von Karl-Josef Schäfer

Guten Tag, istlokal.de!

Im September 2009 saßen fünf WeilburgerInnen auf einer Terrasse mit Blick auf die Lahn und den Westerwald und ärgerten sich, wie schon so oft, über die Berichterstattung der heimischen Papierzeitung und die Kommunalpolitik in Weilburg. „Man müsste mal …“ war das Fazit.

Einer sagte: „Dann lasst uns doch Nägel mit Köpfen machen, mir gehört seit Jahren die Domain www.weilburger-nachrichten.de. Wenn ihr mitmacht, bauen wir eine Internetzeitung auf.“

Von der Idee zum Produkt

Nach langen Recherchen erschien am 16. November 2009 die erste Ausgabe der Weilburger Nachrichten, geplant als Wochenmagazin.

Heute ist es fast eine tägliche Vollproduktion, von den fünf Gestalten aus September 2009 ist noch einer dabei, dafür gibt es eine zweite Redakteurin und eine Handvoll Mitarbeiter, die sich um spezielle Kategorien und Rubriken kümmern.

Die Weilburger Nachrichten verstehen sich als lokaljournalistisches, kritisches Informationsangebot in Ergänzung zum Platzhirschen „Weilburger Tageblatt“ aus dem Hause WNZ in Wetzlar und wenden sich an rund 13.000 WeilburgerInnen und das Umland.

Für manche LeserIn sind die Weilburger Nachrichten die einzige lokaljournalistische Informationsquelle, die überwiegende Mehrzahl der täglichen Besucher jedoch lesen parallel das Weilburger Tageblatt und die Nassauische Neue Presse, Limburg (aus dem Hause FNP, Frankfurt).

Ähnlichkeiten nicht ausgeschlossen

Die Ähnlichkeit zum heddesheimblog.de ist nicht nur zufällig. Heddesheim und Weilburg haben ungefähr die gleiche Einwohnerzahl, werden lokaljournalistisch von einem Platzhirschen dominiert, und Hardy Prothmann (Begründer heddesheimblog.de) hat 2009 Zeichen gesetzt.

Das „Guten Tag, Weilburg!“, mit dem jeder Beitrag beginnt, erinnert nicht nur an einen berühmten Film, sondern geht tatsächlich auf die Idee zurück, den Leser zunächst einmal zu begrüßen.

Im zweiten Jahr des Bestehens haben sich die Weilburger Nachrichten weitestgehend etabliert. Die Akzeptanz der Politik und der Verwaltung war vom ersten Tag an da – auch oder gerade wegen der kritischen und teilweise ironischen Töne. Die Leserzahlen steigen kontinuierlich, das „Guten Tag, Weilburg!“ ist zum feststehenden Begriff in Weilburg geworden.

Jeff Jarvis lässt grüßen

Die nächsten Schritte in diesem Jahr werden sein, für die umliegenden Städte und Gemeinden ein ähnliches mikrolokales Angebot zu schaffen.

Die Grundlagen dafür sind schon gelegt, allein es fehlt die notwendige Manpower. Wie viele andere Placeblogs auch stoßen die Weilburger Nachrichten an zeitliche Grenzen.

Wenn Jeff Jarvis (us-amerikanischer Journalist und Professor für Journalismus) schreibt, dass ein Placeblog 35.000 Menschen im Einzugsbereich braucht, um finanziell tragbar zu sein, dann mag das für eine Großstadt gelten. Für eine Zwei-Personen-Teilzeitredaktion ist es schier unmöglich, die vielen lokalpolitischen Themen aus sieben oder mehr Städten und Gemeinden anzugehen und zusammenzufassen.