Asbest, die Medien und das Schweigen

Homberg, 17. März 2010. Im Mai 2010 wurden 6.000 m² Wellasbestzement-Dachplatten von ehemaligen Bundewehrhallen ausgebaut die dem Forst- und Umweltdienst e.V (jetzt gGmbH) gehören. Die Nutzer und die Arbeitnehmer in den darunter liegenden Hallen wurden über die Gefährlichkeit des Asbests und über Sicherheitsvorkehrungen nicht informiert. Vorgeschriebene Schutzmaßnahmen, Absperrungen und Warnhinweise gab es nicht. Nur durch einen Zufall wurde ein Mieter auf die Asbestgefährdung aufmerksam.

Von Delf Schnappauf, homberger-hingucker.de

Asbest: Verleugnung statt Gefahrenabwehr

Obwohl in einer ersten Laborprobe Asbest nachgewiesen wurde, versuchten der EigentĂĽmer – ein Sozialverein-  und die Behörden des Schwalm-Eder-Kreises, den Vorfall zu vertuschen. Nach einer weiteren Probennahme im Dezember 2010, bei der in allen Proben vom Institut Fresenius Asbest gefunden wurde, kam es zu ersten behördlichen Aktivitäten. Das Bauaufsichtsamt erteilte eine NutzungverfĂĽgung fĂĽr die Hallen, die sich aber nur auf einige Hallen bezog. Die Hallen und die Arbeitsplätze des EigentĂĽmers wurden nicht gesperrt.

Regionale Presse

Obwohl gerichtsfeste Beweise vorliegen, haben bisher alle Kontakte zu Medien nicht dazu geführt, dass überregional darüber berichtet wurde. Die Lokalpresse übernahm für ihre Berichterstattung die Entlastungsdarstellung des Eigentümers und der Behörden ohne zu recherchieren oder die Fakten zur Kenntnis zu nehmen.

Asbest war nur der Anfang

Im Laufe der Zeit ist der Fall noch verzweigter geworden, jetzt geht es auch um die Selbstbedienung im Sozialverein, die wirtschaftlichen Verflechtung zwischen Verein und Kreisverwaltung, aber auch die Rolle aller an der Strafverfolgung beteiligten Stellen. Während in NRW die Staatsanwaltschaft und der Zoll die Ermittlungen u.a. wegen Schwarzarbeit im Zusammenhang mit ausländischen Arbeitern aufgenommen hat, scheint in Hessen das Augenmerk auf der Verhinderung der Aufklärung zu liegen.

Journalist gesucht

Dieser Fall gibt ausreichend Material für verschiedene Themen und kann professionellen Journalisten zur Berichterstattung zur Verfügung gestellt werden. Solche Fälle gibt es sicherlich sehr oft in der Provinz, wo die Lokalpresse schweigt. Hier besteht die Möglichkeit dank des umfangreichen gesicherten Materials zu beschreiben wie die lokalen Netzwerke funktionieren.

Zahlreiche Beriche ĂĽber den Fall im Dossier: Asbestsanierung des Homberger Hinguckers und hier, hier, hier, hier.

Anmerkung:
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