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Einblick in eine vernetzte Redaktion

Verteiltes Arbeiten

Filtern, zur VerfĂĽgung stellen, organisieren. Web-2.0-Journalismus.

 

Mannheim, 14. Mai 2012. Das Internet verändert mehr und mehr die Arbeitswelt von Journalisten – durch technische Möglichkeiten, die kommunikativ und organisatorisch genutzt werden wollen. Ein Werkstattbericht.

Von Hardy Prothmann

„Die Redaktion“ war zu Lou Grants Zeiten ein riesiger Newsroom, in dem ständig Leute rum rannten und Telefone klingelten und man sich quer durch den Raum was zurief. Auf den Schreibtischkanten und auf den Fluren wurden die Redaktionsbesprechungen abgehalten.

Die Chefs waren in gläsernen Kämmerchen abgeschottet. Waren die Jalousien unten und geschlossen, war die Stimmung schlecht, waren sie halb oben und geöffnet, ging es so.

Und man hackte seine Top-Story in irgendwelche Schreibmaschinen.

Verteilte “Schreibmaschinen”

Ich habe seit 1992 keine Schreibmaschine mehr benutzt, wenn ich nicht musste. Zuletzt musste ich das 1995 bei einer ARD-Anstalt. Die letzte Story per Fax habe ich etwa 1994 übertragen. Den letzten Hörfunkschnitt auf Bandmaschine habe ich 1999 erlebt – das digitale Studio war abgeschmiert und der misstrauische Techniker hatte noch ein Bandgerät „in Reserve“ (sehr clever damals). Die Digitalisierung hat diese analogen Medien mittlerweile abgelöst.

Der Austausch von email als dem Ăśbertragungsmedium ist heute Standard. Aber nur noch ein Teilstandard. Absolut modern, sinnvoll und produktiv arbeit man vernetzt.

Wir benutzen in unserer Redaktion dafĂĽr die Produkte von Google. Alle Mitarbeiter haben Zugriff auf das zentrale Google-Mail-Konto der Redaktion.

Filtern & Labeln

Über Filter werden die Nachrichten „gelabelt“. Teils auch redundant. Kommt eine email der Stadt Ladenburg, wird diese unter Ladenburg gelabelt, unter dem Label des betreuenden Mitarbeiters und je nach Inhalt unter weiteren Labels.

Alle Mitarbeiter versenden ĂĽber Google-Mail emails nach drauĂźen. Und zwar unter dem jeweils richtigen Konto, also redaktion@heddesheimblog.de, redaktion@weinheimblog.de, redaktion@rheinneckarblog.de usw.

Der Vorteil: Alle Mitarbeiter können unter den gesendeten Nachrichten sehen, wer wann was an wen geschrieben hat. Muss ein Mitarbeiter für einen Kollegen einspringen oder will er sich auf dem Laufenden halten, kann man bequem die Kommunikation verfolgen.

Die eingehenden Nachrichten werden per Filter auf die „Zuständigkeiten“ automatisch verteilt. Händisch kann man sie einzelnen Personen „zulabeln“.

Redaktionelle Besprechungen finden unter den Google-Accounts der redaktionellen Mitarbeiter mit dem Google-Account der Redaktion statt – und werden als Chat-Protokoll dokumentiert. Der Vorteil: Wenn man Verabredungen oder Informationen „nachschlagen“ will, stehen die überall an jedem Ort zur Verfügung, an dem man Zugang zum Internet hat.

Zuruf bleibt wichtig

Die Redaktionsräume in Mannheim bieten drei reguläre Arbeitsplätze – hier herrscht das Lou-Grant-Prinzip: Der Zuruf. Ein weiterer Arbeitsplatz befindet sich in einem anderen Zimmer. Man kann zwischen Chat und Zuruf wählen.
Die meiste Zeit ist die Redaktion nur von ein oder zwei Leuten besetzt. Die anderen sind draußen auf Terminen oder arbeiten im Home-Office als „verteilte Redaktion“.

Schwerpunktthemen werden über Google-Docs verwaltet, wichtige Adressen ebenso hier „zentral“ verteilt für alle abgespeichert. Auch die Themenplanung läuft über eine Google-Doc-Tabelle. Die Terminkoordination über Google-Kalender. Der Überblick über die veröffentlichen Artikel über Google-Reader.

Nicht alles wird über Google „intern verteilt“ – sensible und besonders sensible Informationen finden nicht den Weg ins Netz, sondern nur in geschützte Verzeichnisse der lokalen Rechner.

Mobil ist die Zukunft

Vieles wird nach dem Lou-Grant-Prinzip „face-to-face“ besprochen, dafür trifft man sich zum „Jour fixe“ oder persönlich in der Redaktion. Und natürlich wird auch weiterhin telefoniert und gesimst.

Der mobile Austausch von Chats ĂĽber Smartphones ist bei einem Teil der Mannschaft schon Standard. Der mobile Zugriff auf die Google-Dienste sowieso.

Einen detaillierten Report ĂĽber den Arbeitsalltag mit internetbasierten Diensten finden Istlokal OS-Partner in KĂĽrze im internen Forum unter der Rubrik Technik und Journalismus.

Gerne zum Mitdiskutieren, denn unser System funktioniert bereits sehr gut, wird aber ständig angepasst und gute Ideen sind immer willkommen, um alle gemeinsam voranzubringen.

Bis demnächst auf dieser Baustelle

Schöne Grüße
Hardy Prothmann