Urlaubszeit in der Online-Branche

Betriebsferien – ja oder nein oder jain?

Mach mal Pause…

Mannheim/Gmund, 04. Dezember 2012. (red) Was tun, wenn in den Ferienzeiten ist wenig los ist? Es gibt kaum wichtige Termine, keine Gemeinderatssitzungen. Was soll man berichten? Soll man ├╝berhaupt berichten oder lieber Urlaub machen? Wie reagieren die Leser/innen?

Von Hardy Prothmann

Stephan H├Ârhammer von Hogn.de schreibt an istlokal.de:

„Hallo liebe Kollegen,

mal eine Frage: Da man ja nicht immer und st├Ąndig arbeiten kann, sondern auch mal ein P├Ąuschen machen soll, um neue Kr├Ąfte zu sammeln – wie steht es in unserer Branche in Sachen „Sich-mal-ne-Auszeit-nehmen/Urlaub-nehmen“? Ist das ├╝blich/erlaubt, sich mal f├╝r, sagen wir, eine Woche abzumelden bei den Usern?

Da wir vom Hog’n noch nicht so viele Mitarbeiter haben, um den Betrieb sozusagen im „Schichtbetrieb“ aufrecht zu erhalten – sprich: der eine Teil der Belegschaft g├Ânnt sich ne Auszeit, der andere k├╝mmert sich um das Tagesgesch├Ąft -, hei├čt es bei uns: Entweder pausieren alle oder keiner!

Welche Erfahrungen habt Ihr in dem Zusammenhang gemacht? Habt Ihr Euch schon mal von der Userschaft offiziell „abgemeldet“ aus Urlaubsgr├╝nden (oder evtl. auch anderen Gr├╝nden)? Wenn ja: Wie haben die User darauf reagiert? Habt Ihr dann gar nix Neues auf die Seite gestellt in dieser Zeit? Oder hattet Ihr ein Notprogramm laufen?

Fragen ├╝ber Fragen.“

Gute Fragen, die Stephan H├Ârhammer da stellt. Im Kern: K├Ânnen es sich tagesaktuelle Medien erlauben, einfach den Schl├╝ssel umzudrehen und die Bude kalt zu lassen? Wie reagieren die Leser/innen darauf? Wenden Sie sich ab? Bleiben sie treu? Sind sie entt├Ąuscht oder haben sie Verst├Ąndnis?

Darauf gibt es mehr als eine Antwort – konkret h├Ąngt die L├Âsung vom generellen Konzept ab.

Die Tegernseer Stimme beispielsweise reduziert die Schlagzahl. Statt im Schnitt drei bis f├╝nf Artikel pro Tag ver├Âffentlicht die TS in der Ferienzeit mindestens einen Artikel. Auch an Feiertagen – je nachdem, was anliegt. Man arbeitet also durch. Peter Posztos meint:

„Sehr gute Frage, auf die es wahrscheinlich keine Standardantwort gibt. Ich denke es kommt drauf an ­čśë

Bei uns ist es so, dass wir uns aufgrund der Erfahrungen (komplette Pause=Leserverlust) dazu entschlossen haben, nur im Sommer eine angek├╝ndigte Auszeit von zwei Wochen einzulegen. In dieser Zeit k├╝ndigen wir aber auch an, dass wir berichten, falls sich was wichtiges tut. http://www.tegernseerstimme.de/in-eigener-sache-sommerpause/55620.html

Dabei muss man jedoch sagen, dass wir uns als nachrichtengetriebenes, aktuelles und immer sehr schnelles Medium verstehen und dies im Endeffekt auch unser „Markenversprechen“ an die Leser ist. Da passen dann nat├╝rlich auch ausgedehnte Pausen nicht wirklich rein. Im Winter reduzieren wir beispielsweise die Frequenz auf 1 bis 2 (max. 3) Artikel pro Tag. Dies k├╝ndigen wir ebenfalls an. Laufzeit vom 22.12. – 7.01.

Bei eurer eher zeitloseren Positionierung als hintergr├╝ndiges Online-Magazin k├Ânnte ich mir allerdings gut vorstellen, dass eine Pause tendenziell kein Problem darstellt. Vor allem sind solche Pausen wichtig f├╝r das Team.“

Bei meinen Rheinneckarblogs verfahre ich ├Ąhnlich: Wir w├╝nschen den Leser/innen eine sch├Âne Urlaubszeit und reduzieren die Schlagzahl erheblich. Teilweise erscheinen ├╝ber Tage keine neuen Texte. Einen Leserverlust nehme ich in Kauf, weil ich davon ausgehe, dass die Leser/innen in der Urlaubszeit im Archiv nachlesen, wozu sie vorher nicht gekommen sind und nach der Urlaubszeit zur├╝ckkehren.

Aktuelle Ereignisse wie Ungl├╝cksf├Ąlle covern wir trotzdem, sofern Mitarbeiter zur Verf├╝gung stehen.

Die Leser/innen sind bislang eine gewisse „Formatierung“ gewohnt. Tageszeitungen erscheinen Montag-Samstag, es gibt Sonntags- und Wochenzeitungen, das Radio bringt zur vollen Stunden Nachrichten und die Programmierung des Fernsehens folgt einem festgelegten Schema.

Die Folge ist, dass auch in d├╝nnen Nachrichtenzeiten „Schlagzeilen“ oder „Aufmacher“ produziert werden m├╝ssen, egal, ob die „Nachrichten“ eine Bedeutung haben oder nicht. M├╝ssen Blogs „saure Gurken“ oder „Sommerloch-Themen“ bringen? Ich finde nein. Es gibt immer wieder Tage, an denen in den einzelnen Orten wenig bis gar nichts berichtenswertes passiert. Dann erscheinen bei uns auch keine Artikel in den Ortsblogs. Beim Regionalblock hingegen schon: Hier kommen die Themen aus der Region und den St├Ądten und irgendwas berichtenswertes gibt es immer. Das ist vergleichbar mit der Tegernseer Stimme, die f├╝nf Talgemeinden umfasst.

F├╝r die Entscheidung, ob man Berichterstattungspausen einlegt oder nicht, ist sicher die redaktionelle Ausrichtung ma├čgeblich: tagesaktuelle Medien tun sich damit schwerer als hintergr├╝ndige Magazinangebote.

Erfahrungsberichte sind in den Kommentaren gerne willkommen.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.