Es ist einfacher, als man denkt

Künstlersozialkasse für Blogger

ksk

Kopf des Anmeldeformulars der KSK. Quelle: Künstersozialkasse

 

Gmund/Mannheim/Wilhelmshaven, 12. Juni 2013. (red/pro) Die Künstlersozialkasse (KSK) hatte sich mit dem Auftreten von Bloggern, die gewerbliche Umsätze erzielen, zunächst schwer getan und diese abgelehnt. Die KSK übernimmt für Künstler und „Publizisten“ den Arbeitgeberanteil der Beiträge zu den Sozialversicherungen. Seit Sommer 2011 können auch Blogger wieder oder neu in die KSK – hat das Bundessozialgericht entschieden.

Von Hardy Prothmann

Ganz ehrlich? Reichlich blöd, dass ich ein paar tausend Euro verschenkt oder vielmehr nicht eingespart habe. Es wäre so einfach gewesen und ich war nur zu faul, mich zu kümmern. Der Antrag auf Mitgliedschaft in der KSK ist innerhalb von gut 14 Tagen bearbeitet worden und durch. Ich bin drin. Als bloggender Journalist oder journalistischer Blogger.

Wer darf rein? Die KSK schreibt:

Publizist ist, wer als Schriftsteller, Journalist oder in ähnlicher Weise wie ein Schriftsteller oder Journalist tätig ist. Auch wer Publizistik lehrt, fällt unter den Schutz des KSVG.

Das wollte die KSK nicht immer so verstehen, schon gar nicht für Blogger, aber das Bundessozialgericht hatte der Klage eines „Internetpublizisten“ Recht gegeben und am 21. Juli 2011  festgestellt:

Zwischen den vom Kläger aus dem Verkauf von Werbeflächen erzielten Einnahmen und seiner primären publizistischen Arbeit besteht ein untrennbarer wirtschaftlicher und inhaltlicher Zusammenhang, aufgrund dessen die „Werbeeinnahmen“ dem von einem Verlag oder einer Redaktion für eine publizistische Leistung ge­zahlten Honorar vergleichbar und somit als Einnahmen „aus“ publizistischer Tätigkeit zu werten sind. Wirtschaftlich ist die Refinanzierung einer über das Trägermedium „Internet“ ausgeübten journalisti­schen Tätigkeit durch Werbeeinnahmen wegen der dort vorherrschenden kostenfreien Verfügbarkeit von Informationen („Gratiskultur“) eine notwendige Bedingung für die Ausübung dieser Tätigkeit.

Man muss also Künstler oder Publizist und selbständig erwerbstätig sein. Und zwar nicht nur vorübergehend und überwiegend im Inland. Wer mehr als einen Arbeitnehmer beschäftigt, gewisse Verdienstgrenzen nicht erreicht oder zu versicherungsfreien personen gehört, wird allerdings nicht versichert.

Mindesteinkommen: 325 Euro monatlich

Und man muss, sofern nicht Berufsanfänger, da gilt das nicht, ein Mindesteinkommen erzielen. Das ist sehr niedrig bemessen: 3.900,00 EURO jährlich beziehungsweise 325,00 EURO monatlich. Dazu will die KSK Belege, beispielsweise Rechnungen. Ebenso natürlich Belege über Veröffentlichungen und eine Bestätigung der Krankenkasse. Dank Ausfüllhinweisen ist das relativ einfach zu erledigen. Alle wichtigen Formulare und Ausfüllhinweise gibt es hier.

Wichtig: Wer sich über die KSK versichern will, kann dies frühestens ab Antragseingang – per Post oder elektronisch hier. Was man zu zahlen hat, errechnet sich nach dem angegebenen Einkommen. Hier sollte man realistische Angaben machen, da Verstöße zum Ausschluss führen können – außerdem wirken sich zu niedrig angegeben Zahlen beispielsweise negativ bei der Rentenversicherung aus.

Der Beitrag errechnet sich nach einem KSK-Beispiel folgendermaßen:

„Der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung im Jahr 2013 beträgt 18,9 %.

Der einheitliche Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung 2013 liegt bei 15,5 %.

Der Beitragssatz zur sozialen Pflegeversicherung im Jahr 2013 beträgt 2,05 % (Elterneigenschaft) bzw. 2,30 % (Kinderlose).

Für die Beitragsberechnung der versicherten Künstler und Publizisten sind diese Beitragssätze etwa zur Hälfte sowie die gesetzlichen Zusatzbeiträge zugrunde zu legen.

Beispiel für das Jahr 2013:
Das voraussichtliche Jahresarbeitseinkommen beträgt 10.000,00 €

Rentenversicherung
Beitragssatz in der Rentenversicherung 18,9 %
Rentenversicherungsbeitrag = Anteil des Versicherten 9,45 % von 10.000,00 € = 945,00 € jährlich : 12 = 78,75 € monatlich

Krankenversicherung
Beitragssatz in der Krankenversicherung 15,5 %
Krankenversicherungsbeitrag = Anteil des Versicherten 7,75 % + 0,45 % gesetzlicher Zusatzbeitrag = 8,20 % von 10.000,00 € = 820,00 € jährlich : 12 = 68,33 € monatlich

Mit dem gesetzlichen Zusatzbeitrag, der von den Versicherten alleine aufzubringen ist, sollen sich die Mitglieder der Krankenkassen nach dem Willen des Gesetzgebers an den gestiegenen Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung beteiligen.

Pflegeversicherung
Beitragssatz in der Pflegeversicherung 2,05 % (Elterneigenschaft) bzw. 2,30 % (Kinderlose)
Pflegeversicherungsbeitrag = Anteil des Versicherten 1,025 % ( + 0,25 % für Kinderlose) von 10.000,00 € = 102,50 € (bzw. 127,50 €) jährlich : 12 = 8,54 € (bzw. 10,63 €) monatlich“

Wer noch wartet, ist selbst schuld. Um die Rechnung nochmal klipp und klar aufzumachen: Wer in der KSK aufgenommen wird, zahlt nur noch die Hälfte seiner Sozialversicherungsbeiträge gemessen am jährlichen Einkommen. Das ist für uns Blogger eine große Erleicherung – ganz im Sinne der Idee der Entlastung von Künstlern.

An der Mitgliedschaft in der eigenen Krankenkasse ändert sich nichts. Die KSK übernimmt nur die Rolle des „Arbeitgebers“. Sollte es in Zukunft Änderungen bei der KSK geben, betrifft das nicht die eigene Absicherung in einer Krankenkasse oder der anderen Sozialversicherungen.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.